Andacht
zu Ruth 1,1-8.16-19a
Ausländer
willkommen (3. Sonntag nach Epiphanias), Tag 7
Lesung:
Ruth
1,1-8.16-19a
Zu der
Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein
Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling
zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. Der hieß Elimelech und
seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter
aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren,
blieben sie dort. Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit
ihren beiden Söhnen. Die nahmen moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die
andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, starben auch
die beiden, Machlon und Kiljon, so dass die Frau beide Söhne und ihren Mann
überlebte. Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog
aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im
Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot
gegeben hatte. Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre
beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda
zurückzukehren, sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und
kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit,
wie ihr an den Toten und an mir getan habt. ... Rut antwortete: Rede mir nicht
ein, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hin gehst, da
will ich auch hin gehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein
Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will
ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich
und dich scheiden. Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu
gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie
nach Bethlehem kamen.
Thema:
Dein Gott ist mein Gott
Auslegung:
„Wo du hin
gehst, da will ich auch hin gehen...“ - das ist einer der beliebtesten Trausprüche. Ursprünglich haben sich dieses Wort
allerdings nicht Mann und Frau in zärtlicher Zuneigung zugesprochen , sondern
das hat eine Frau zu ihrer Schwiegermutter gesagt.
Tragisches war passiert: Der Mann Ruts war verunglückt. Tot. Der
Schwiegervater war gestorben. Die Schwiegermutter – Noomi – hielt nichts mehr
in Moab. Sie wollte zurück in ihre Heimat Israel und dort in Frieden sterben.
Für Rut, die Moabiterin war, erhoffte Noomi sich eine glückliche
Zukunft: „Mädchen, du bist noch jung! Geh heim nach Moab! Heirate wieder!
Werde glücklich!“ – Das war eine Liebe die nicht klammerte, sondern die andere loslassen konnte, weil es das Beste für sie war.
„Kommt nicht in Frage!“ – lautete Ruts Antwort. Was waren ihre Motive? Zunächst wohl die gleiche selbstlose Liebe, die Noomi hatte: Rut wollte Noomi glücklich wissen, und das war
ihr wichtiger als das eigene Glück. Zweitens:
Das Tragende dieser Beziehung. Und drittens:
Der Glaube, der diese alte Frau stärkte und trug,
hatte Rut tief beeindruckt. Sie wollte auch so glauben können. Wer weiß, wie
Rut die Religion ihres eigenen Volkes wahrgenommen hatte? Vielleicht sehr
abstoßend? Wie nehmen heute junge Frauen das religiöse Mischmasch in unserer
Gesellschaft auf? Rut zumindest ist bereit, mit ihrer ganzen Herkunft, mit
ihrer ganzen Kultur zu brechen. Sie will zum Gott Israels gehören. “Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein
Gott.“ – bekennt sie.
Gebet:
Herr Jesus, gib nicht nur das gute Bekenntnis auf meine Lippen, sondern lasse davon auch mein Leben geprägt
werden. Gib mir den Mut, konsequent
und schlicht den Weg mit dir zu gehen, damit ich dein Zeuge bin, gerade auch gegenüber denen, die
sich religiös an ganz anderen Ufern befinden.
Impuls:
1.
Nicht große Predigten überzeugten die junge Moabiterin Rut vom Glauben
Noomis, sondern das schlichte Leben und der
schlichte Glaube dieser
schlichten Frau. Auch heute ist das oft so: Was
Menschen am Christsein anrührt, sind z.B. Großmütter und Großväter, die in der
Stille beten und liebevoll zum Glauben mahnen. Hoffentlich sterben diese
Menschen in unserem Lande niemals aus!
2. Das
Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter ist oft spannungsgeladen. Auch bei Ihnen? Welchen konkreten Schritt, welche Geste der Versöhnung könnten Sie
heute tun, um dieses Verhältnis zu pflegen oder zu bessern?
Hintergrundinformationen:
v Moab liegt östlich des Toten
Meeres, ist also ein Nachbarland Israels. Dort wurde nicht JHWH, sondern der
Gott Kemosch verehrt, und ebenso wahrscheinlich auch die anderen in Kanaan
bekannten Gottheiten wie Baal oder Astarte.
Autor dieser Andacht: Robert Augustin